1967 begannen die Planungen für den notwendig gewordenen Bau einer Kapelle am Eitzer Friedhof. Dies bedeutete für die damals noch eigenständige Gemeinde Eitze hohe finanzielle Kosten. Es wurden für den Bau 100.000 DM veranschlagt und für die Ausstattung weitere 25.000 DM. Als dies bekannt wurde, fanden die Eitzer viele Möglichkeiten, wie man den Bau unterstützen könnte. Unter anderem entwickelte eine Gruppe um Wilhelm Becker sen. und Hermann Panning herum einen Plan: sie gründeten eine Laienspielgruppe, um mit der Aufführung eines Theaterstückes Geld für den Bau zu sammeln.

Die Proben begannen und am 17. März 1968 wurde das plattdeutsche Stück „Alltomal Sünner“ bei Biermann auf dem Saal aufgeführt. Der Erfolg war enorm. Weil die Spendensumme von 1000 DM jedoch noch nicht ganz erreicht wurde, zog man mit Sack und Pack über Land und spielte auch in Armsen und Rethem.
Im April 1968 konnten Annegret Mennicke und Wilhelm Becker bei einer Gemeinderatsitzung die stolze Summe von 1000 DM überreichen:
  

 

An den Gemeinderat                                                                               Eitze, im April 1968
der Gemeinde Eitze


Sehr geehrte Ratsherren!

Als in der Gemeinde bekannt wurde, dass eine Friedhofskapelle gebaut werden sollte, entwickelten einige Einwohner unserer Gemeinde einen Plan und ergriffen die Initiative zum Bau dieser Kapelle beizutragen.
Im Januar 1968 wurde eine Laienspielgruppe gegründet, um auf diese Weise Mittel für den beabsichtigten Bau zu sammeln. Zunächst wurde diese Angelegenheit nur wenigen Einwohnern
bekannt, aber als die Schaar der Freiwilligen mit ihren Übungen begann, wurden die Einwohner auf dieses Unternehmen aufmerksam. Es fanden die ersten Proben statt und dann nahm der Plan des Initiators feste Formen an.
An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass die freiwilligen Mitglieder der Gruppe sich auch einmal an einem Gläschen aus einem Fläschchen aufmunterten, jedoch wurden diese Ausgaben privat u.s.w. bestritten, sodass den Mitgliedern aus diesem Unternehmen noch selbst Kosten entstanden. Schließlich war es dann soweit, dass ein öffentlicher Theaterabend angesetzt werden konnte.
Am 16. und 17. März diesen Jahres strömten zu unserer Freude und Überraschung die Einwohner unseres Ortes herbei, ja sogar aus Nachbargemeinden kamen viele, um diese gute Tat zu unterstützen.
Wir haben uns über das sehr rege Interesse unserer Einwohner sehr gefreut, und wie wir glauben, ist unsere Mühe nicht umsonst gewesen, denn der gute Besuch uns die nicht unbeträchtliche Einnahme betr. der Aufführung unseres Stückes „Alltomal Sünner“ und der weiteren Einlagen, war ein Spiegelbild der Zusammengehörigkeit der Gemeinde und auch wohl - ohne unbescheiden zu sein - ein Erfolg der Anerkennung unserer Leistungen.
Wir danken allen Einwohnern an dieser Stelle für das Gelingen unserer Bemühungen.

Da uns an den vereinnahmten Betrag noch etwas fehlte, um einen Betrag mit mehreren Nullen zu erreichen, haben wir unser Stück auch noch außerhalb der Gemeinde zur Aufführung gebracht, sodass wir uns jetzt freuen, der Gemeinde den Betrag von 1000.- DM für den
Bau der Kapelle zur Verfügung stellen zu können.
Zum Nutzen aller Einwohner überreichen diesen Betrag als Abgeordnete unserer Laienspielgruppe und aller Mitwirkenden

(Annegret Mennicke)
(Wilhelm Becker Sen.)

Mit freundlichen Grüßen

                                                Ihre

                                                                            Laienspielgruppe E I T Z E

 

Bühnenbau

Neben den Schauspielern ist natürlich eine Bühne das wichtigste für ein Theaterspiel. In den ersten Jahren musste viel organisiert und improvisiert werden. Die Firma Matthai, vertreten durch den Eitzer Heinz Aal, kam der Theatergruppe zur Hilfe und stellte Gerüstböcke, Träger und Bohlen zur Verfügung. Erst Jahre später hatte man eigenes Material.
Viel Arbeit steckte im Kulissenbau (Wände, Türen, Fenster etc.), denn jedes Theaterstück hatte andere Anforderungen. Hier wurde manches Teil zersägt und wieder zusammen bebaut.
Anfang der 80er Jahre wurde die gesamte Bühne von Wolfgang Badenhoop neu gebaut. Jetzt waren die Kulissen aus gleichgroßen Elementen hergestellt und konnten so variabel aufgebaut werden.
Theaterpremiere ist traditionell der erste Samstag im März.
Ende Januar / Anfang Februar war Samstags also immer Bühnenaufbau. Viele Helfer waren nötig und trotz Kennzeichnung und Nummerierung der Teile gab es oft Meinungsverschiedenheiten beim Aufbau. Von morgens 9:00 Uhr bis zum späten Abend wurde gearbeitet. Um nicht zu viel Zeit mit einer Mittagspause zu verlieren, wurde gemeinsam im Eitzer Hof gegessen. Passend zur Jahreszeit gab es für alle Helfer Grünkohl.
Das bei all den Arbeiten auch genügend Pausen gemacht wurden, versteht sich von selbst. Dabei wurde dann auch das ein oder andere Bier getrunken, oder mal ein Körnchen, oder auch beides!
Nach der Theatersaison musste dann alles wieder abgebaut und eingelagert werden. Bühnenunterbau und Kulissen wurden lange Zeit im nicht mehr genutzten Umkleidehaus des Sportvereins untergebracht. Die Möbel und andere Utensilien kamen bei Georg Lackemann auf den Boden. Auch bei diesen Arbeiten ging es oft lustig zu und die Verpflegung der Helfer war wichtig. Dann kam es schon vor, dass vor der Arbeit erstmal in Georg`s Garage gefrühstückt wurde.
In späteren Jahren wurde das Bühnenmaterial auf Anhängern geladen und diese in Böschen`s Scheune abgestellt. Ein weiterer Abstellort war die Scheune von Karsten Oestmann. Seit die Heimatbühne in Borstel spielt, ist deutlich weniger Material einzulagern. Diese Aufgabe hat Carsten Jacobs übernommen.

Aufführungen im Eitzer Hof

Die Theatersaison beginnt im Oktober / November mit dem Aussuchen eines passenden Stücks. Wichtig ist immer, dass genügend Spieler für die jeweiligen Rollen zur Verfügung stehen. In vielen Jahren bestand ein Mangel an männlichen Spielern, so dass einige Stücke nicht gespielt werden konnten.
Aus einer Vorauswahl von ca. 5 Stücken, die einige der Akteure kennen oder bei anderen Bühnen schon gesehen haben, wird ausgesucht. Hat man sich auf ein Stück geeinigt, werden die Rollen verteilt und die Proben können beginnen. Zunächst trifft man sich 2 – 3 Mal pro Woche im DGH zum Lesen. Zu Zeiten des Eitzer Hof`s ging es dann im Februar auf die Bühne. Die Übungsabende grenzten manchmal schon an Überlebenstraining, denn der Saal im Eitzer Hof war oft nicht oder nur sehr wenig geheizt. So musste man sich trotz Winterjacke, Mütze und Schal mit Glühwein, Grog oder Korn innerlich aufwärmen. Kleiner Nebeneffekt: die Stimmung war immer sehr gut.
Wenn freitags Übungsabend war, dauerte dieser meist auch etwas länger. Dann fand noch ein „zusätzlicher Akt“ in der Gaststube statt.
In der letzten Woche vor der Premiere begann die „heiße Phase“. Fast täglich wurde geübt, dann auch schon in Kostümen und geschminkt. Für Maske und Frisur war lange Zeit „Spezi“ Hans-Peter Heinrichs zuständig. Beleuchtung und Lautsprechertechnik war der Bereich von Hugo Schulz. Aber auch viele andere Arbeiten standen an. So wurden Stühle und Tische gestellt und nummeriert, Tischdecken aufgelegt, Deko angebracht und vieles mehr. Fast alle Vereinsmitglieder waren so eingebunden und halfen mit.
Mit dem Stück „Total Dördreiht“ fand im März 2013 die letzte Aufführung der Heimatbühne im Eitzer Hof statt. Zu den 5 Vorstellungen im Jahre 2013 kamen insgesamt ca. 720 Zuschauer.
Die Ära Eitzer Hof endete im gleichen Jahr, doch die Heimatbühne Eitze fand im Borsteler Hof einen neuen Spielort.

Aufführungen im Borsteler Hof

Seit 2014 spielt die Heimatbühne Eitze im Borsteler Hof Theater. Hier gibt es eine feste Bühne, die allerdings deutlich kleiner ist. Auch der Saal mit einer Kapazität von 144 Zuschauerplätzen ist wesentlich kleiner im Vergleich zum Eitzer Hof. Hier waren bis zu 220 Zuschauer untergebracht. Mittlerweile ist man dazu übergegangen, an 3 Wochenenden jeweils 2 Vorstellungen zu spielen. Früher verteilten sich die 5 Vorstellungen auf 4 Wochen.
Die Vorbereitungen für das Theater laufen ähnlich ab. Allerdings steht in Borstel die Bühne erst 1 Woche vor der Premiere zur Verfügung. Daher werden im Eitzer DGH etwa Mitte Januar provisorisch Kulissen aufgebaut und hier die Abläufe des Theaterstücks geübt.
Im Jahre 2016 hat die Heimatbühne Eitze kräftig investiert. Bisher war die Lautsprecheranlage stets geliehen, doch der Anbieter gab sein Geschäft auf. Ein anderer Anbieter wollte jedoch einen fast viermal so hohen Preis haben. Daher kaufte man eine neue Anlage, die von Patrick Panning bedient wird. In wenigen Jahren wird sich der Kauf rechnen.


Besonderheiten bei den Aufführungen

1986 bei dem Stück „Moder kriggt Zwangsurlaub“ hatten die Akteuren sogar fließend Wasser auf der Bühne! 

1987 bei „Gastwirt Goebel“ war die Stimmung groß, als Klaus Ahrens als farbiger Diener aus dem Kongo seinen Auftritt hatte! Er war total schwarz geschminkt, nur die Augen leuchteten hell!

1988 bei „De Prinzgemahl“ stand ein Brunnenring mitten auf der Bühne. Hier war immer eine Kiste Bier drin!

1989 beim Stück „Oma hett Geld“ brachte Ehler Göbbert wohl den größten Klopfer in der Geschichte der Heimatbühne. Bei der Aufführung am Sonntagnachmittag war Pause und der nächste Akt sollte beginnen, doch Ehler war nicht da! Alle Akteure waren in Aufregung. Was war geschehen? Wie sich später herausstellte, war Ehler zwischenzeitlich zum Landjugendball in Haag`s Hotel gefahren, um dort an einem Walzertanz teilzunehmen. Die Spielpause musste um 15 Minuten verlängert werden, nach Ehler`s Rückkehr ging es weiter!

Aber nicht nur Menschen betraten die Bühne, sondern auch lebende Tiere. So übernahmen ein Huhn von Norbert und Ete's Hund eine wichtige Rolle bei der Eitzer Heimatbühne.

Viele Jahre bereitete der Vorhang Probleme. Mal war es so, dass der Vorhang beim Öffnen und Schließen hakte, andere Mal waren sich die beiden „Vorhangbediener“ nicht ganz einig und zogen unterschiedlich. Später entwickelte hier Carsten Jacobs eine Vorrichtung, bei der nur noch eine Person den Vorhang bediente und beide Seiten gleichzeitig gezogen wurden.

Auch bei der Beleuchtung war Kenntnis über die Bedienung nötig. Es mussten die Schalter alle nacheinander betätigt werden, weil sonst die Sicherungen raussprangen. So geschehen 2012 beim Stück „keen glövt all an Geister“. Die Bühnenbeleuchtung ging nicht an, schlimmer noch, der ganze Saal wurde dunkel. Zum Glück wusste Florian Panning, wo der Sicherungskasten war und wie von Geisterhand wurde es wieder hell im Saal und auf der Bühne.

Was macht die Heimatbühne sonst noch?

Im Jahre 1993 organisierte die Heimatbühne das Eitzer Erntefest. Dies hatte in den Vorjahren immer der „Arbeitskreis Eitze im Heimatbund Verden“ durchgeführt. Allerdings löste sich der Heimatbund Verden 1993 auf und es entstand nachher der Heimatverein Eitze. Zwischenzeitlich suchte man jedoch einen Organisator für das Erntefest und die Heimatbühne übernahm diese Aufgabe.

Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle die Geselligkeit außerhalb der Theatersaison. So organisierte der Festausschuss tolle Tagesfahrten mit dem Bus, z.B. schon mehrmals zu den Karl May Festspielen in Bad Segeberg, zur Meyer Werft in Papenburg und viele mehr.
Aber auch Radtouren durch die nähere Umgebung finden großen Anklang, wobei Essen und Trinken nie zu kurz kommen!

2016 besuchte die Eitzer Heimatbühne die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg. Gezeigt wurde "Der Schatz im Silbersee"

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